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Japan reformiert das Kaiserhaus, doch eine Frau darf noch immer nicht auf den Thron: Die Kontinuität hängt an einem 19-Jährigen

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Japan reformiert das Kaiserhaus, doch eine Frau darf noch immer nicht auf den Thron: Die Kontinuität hängt an einem 19-Jährigen

Japans Parlament stimmte diesen Freitag einer historischen Revision des Kaiserhausgesetzes zu - 184 Stimmen dafür, 57 dagegen, nachdem es die Woche zuvor auch das Unterhaus passiert hatte. Die Reform änderte alles am Status der Frauen in der Kaiserfamilie, außer der einen Sache, auf die alle warteten: Eine Frau darf noch immer nicht auf dem Chrysanthementhron sitzen.

Die Zahlen erzählen die Geschichte. Die Kaiserfamilie zählt heute nur 16 Mitglieder, elf davon Frauen. Kaiser Naruhito, 66, hat genau drei mögliche Erben - seinen Bruder, Kronprinz Fumihito (60), seinen Enkel Prinz Hisahito (19) und seinen Onkel Prinz Masahito (90). Mit anderen Worten: Die Kontinuität der ältesten Monarchie der Welt hängt daran, ob ein einziger 19-Jähriger ein männliches Kind bekommt. Wenn ein Staat das Überleben seiner Institution auf die Biologie eines Teenagers reduziert, ist das keine Tradition mehr - es ist ein Glücksspiel.

Das Gesetz von 1947, im Übrigen während der amerikanischen Besatzung verfasst, richtete ein strenges System ein: Nur männliche Nachkommen über die männliche Linie erben, Prinzessinnen, die einen Bürgerlichen heiraten, müssen die Institution verlassen, und die elf nach dem Zweiten Weltkrieg abgeschafften Nebenlinien der Familie wurden aus der Thronfolge geworfen.

Was sich wirklich änderte

Zwei Dinge. Erstens: Frauen der Kaiserfamilie können ihren Status nun behalten, selbst wenn sie außerhalb des Hofes heiraten - doch mit einem entscheidenden Vorbehalt: Weder ihre Ehemänner noch ihre Kinder werden Teil der Kaiserfamilie. Das trifft direkt Prinzessin Aiko, die einzige Tochter von Naruhito und Masako. Mit 24 kann sie Prinzessin bleiben, selbst wenn sie einen Bürgerlichen heiratet, doch ihre Kinder bleiben außerhalb der kaiserlichen Linie, ohne jegliches Recht auf den Thron.

Zweitens: Die Adoption männlicher Nachkommen über die männliche Linie aus den elf abgeschafften Nebenlinien ist erlaubt. Kandidaten müssen über 15 Jahre alt, unverheiratet und kinderlos sein. Die Adoptierten können nicht Kaiser werden, doch ihre eigenen künftigen männlichen Söhne können in die Thronfolge eintreten. Die Logik ist, die männliche Basis zu verbreitern, damit die Kontinuität nicht allein von Hisahito abhängt.

Hier liegt der Widerspruch, den selbst die ausländische Presse bemerkte: Bekäme Aiko eines Tages einen Sohn, könnte dieser Sohn nur dann thronberechtigt werden, wenn er über genau dieses neue System ins Kaiserhaus adoptiert würde. Also - ihr Sohn, aber nicht als ihr Sohn. Verwandtschaftslogik, würdig eines Lehrbuchs des Absurden.

Die Reform ging mit breiter Mehrheit durch, aber nicht mit Konsens. Dagegen stimmten die Konstitutionell-Demokratische Partei, die Kommunisten und Reiwa Shinsengumi, vor allem wegen der Adoptionsklausel und des fehlenden Fortschritts hin zur Gleichberechtigung in der Thronfolge. Und hier kommt die Zahl, die am meisten sticht: Laut Umfragen von Kyodo unterstützen bis zu 80 Prozent der Japaner, dass eine Frau Kaiserin wird. Das Volk ist bereit. Das Parlament - nicht. Wenn eine Institution so stur das eigene Volk nicht hören will, stellt sich die alte Balkanfrage - für wen arbeitet sie eigentlich?