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Wenn Kinder Kinder schlagen: Zwei Fälle in Štip und Đorče Petrov, erstmals stehen Eltern vor Gericht - aber ist das System bereit?

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In den letzten Wochen wurde Mazedonien mit zwei parallelen Geschichten von Gewalt unter Gleichaltrigen konfrontiert, die aus Einzelfällen zu einem Muster geworden sind. In Štip zeigt ein Video, wie ein Mädchen von mehreren Kindern verprügelt, an den Haaren gezogen und am Boden weiter geschlagen wird. In Đorče Petrov sind vier Minderjährige (einer 17, drei 14 Jahre alt) wegen eines gewaltsamen Übergriffs auf ein 13-jähriges Mädchen angeklagt. Die Fälle häufen sich in mehreren Städten - aber wie reagieren wir als Gesellschaft?

Im Fall von Štip ordnete das Gericht eine „verstärkte elterliche Aufsicht" statt der härteren Maßnahmen an, die die Staatsanwaltschaft beantragt hatte. Die Anwältin Maja Ristova kritisierte die Milde öffentlich: die Entscheidung sei „unzureichend und besorgniserregend" und sende ein falsches Signal über die Ernsthaftigkeit von Gewalt unter Minderjährigen. Der Fall ist in der Berufung.

Im Skopje-Fall reichte die Staatsanwaltschaft sechs Strafanzeigen gegen die Eltern der Minderjährigen ein - wegen Vernachlässigung der Fürsorgepflicht und Erziehung. Das ist ein deutlich breiterer Eingriff als in Štip - und vielleicht ein Zeichen dafür, dass der Staatsanwalt schon begriffen hat: Kinder zu bestrafen, ohne die Eltern einzubeziehen, ist eine symbolische Lösung.

In den sozialen Netzwerken ist man gespalten, doch die Mehrheit verlangt härtere Maßnahmen. Häufig gefordert werden gemeinsame psychologische und psychiatrische Behandlungen für Eltern und Kinder, dazu Geldstrafen. Eine Meinung kehrte immer wieder: „Eltern und Kinder sollen psychologische und psychiatrische Hilfe bekommen, und Eltern sollen Geldstrafen zahlen."

Die Frage, die unbeantwortet bleibt: Wo sind wir als Erwachsene stehengeblieben? Wenn ein Kind ein anderes mit Fäusten und Ohrfeigen schlägt, ist das kein Zufall - es ist Symptom einer Welt, deren Werte anders justiert sind. Schulen haben keine Schulpsychologen. Sozialdienste sind überfordert. Gespräche über Empathie zu Hause sind alles, was uns bleibt - und das reicht nicht. Die mazedonische Gesellschaft hat nie definiert, was sie von ihren Kindern erwartet, und wundert sich nun, dass sie mit Fäusten antworten.

Was passiert morgen? Nichts Neues. Gleiches System. Gleicher Kreislauf. Vielleicht bewegt sich etwas, wenn die Strafen ernst genug sind, damit Eltern verstehen, dass sie selbst vor dem Richter landen können. Aber wir warten auf das nächste Video. Und wir wissen, dass es ein nächstes geben wird.