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Vier Wellen über Kyjiw in einer Nacht: drei Tote, und jeder Einschlag hat seine Erklärung schon parat

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Vier Wellen über Kyjiw in einer Nacht: drei Tote, und jeder Einschlag hat seine Erklärung schon parat

Die Nacht von Freitag auf Samstag verbrachte Kyjiw so, wie es sie im dritten Jahr verbringt - im Keller, das Handy in der Hand, mit einem Geräusch, das man nicht vergisst. Ballistische Raketen schlugen in mindestens vier getrennten Wellen ein. Kein einzelner Treffer, keine Überraschung in einem Moment, sondern viermal hintereinander die Hoffnung der Stadt, es sei vorbei, und viermal die Erkenntnis, dass es das nicht war.

An mehreren Orten brachen Brände aus. Es brannte in Lagerkomplexen in der Hauptstadt selbst und in Wyschneve, einer Kleinstadt westlich von Kyjiw. Über den getroffenen Vierteln stieg dichter schwarzer Rauch auf, sichtbar vom anderen Ende der Stadt, und die Rettungskräfte kämpften noch gegen das Feuer, als es bereits hell wurde. Bürgermeister Vitali Klitschko bestätigte laufende Einsätze. Nach ersten ukrainischen Angaben kamen mindestens drei Menschen ums Leben, mehrere wurden verletzt.

Russische Quellen behaupten, die Angriffe auf Wyschneve seien mit Raketen des operativ-taktischen Systems „Iskander" erfolgt und die Ziele seien militärische Objekte gewesen. Ein Teil der getroffenen Lager sei, wiederum laut russischen Kanälen, von ukrainischen Streitkräften genutzt worden. Keine dieser Behauptungen ist offiziell bestätigt. Es gibt Rauch, es gibt Tote, und es gibt zwei Seiten, die zwei verschiedene Nächte erzählen.

Hier lohnt sich ein Innehalten. Jeder solche Angriff kommt mit derselben Struktur: der Einschlag, dann sofort die Erklärung, warum er legitim war. Lager heißt Logistik, Logistik heißt Militär, Militär heißt zulässiges Ziel. Die Formulierung ist sauber, fast verwaltungstechnisch - und genau deshalb sollte man sie aufmerksam lesen. Wenn eine Nacht drei Zivilisten in Wohnvierteln tötet, ist die Behauptung, alles Getroffene sei militärisch gewesen, kein Fakt, sondern eine Seite in einer Debatte.

Ein weiteres Detail rutscht leicht durch. Es war nicht eine Welle, sondern vier. Das ist keine technische Kleinigkeit. Die erste Welle treibt die Menschen in die Schutzräume, die folgenden erwischen die Retter, die Feuerwehrleute und jene, die herauskamen, um zu sehen, was brennt. Wer eine solche Taktung entwirft, weiß genau, was er damit tut.

Und während Kyjiw zählt, debattiert Europa über die Termine des nächsten Gipfels. Der Balkan kennt diese Szene auswendig - lange Gespräche über den Krieg anderer, während dieser Krieg jeden Morgen seine eigene Statistik schreibt, ohne auf Schlussfolgerungen zu warten. Die Frage ist nicht, ob verhandelt wird. Die Frage ist, wie viele solcher Nächte noch vergehen, bis diese Verhandlungen einen Termin finden.