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Bürger kippten ein Fahrzeug des Rekrutierungszentrums in Lwiw um: der stille Krieg zwischen Staat und eigenem Volk

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Bürger kippten ein Fahrzeug des Rekrutierungszentrums in Lwiw um: der stille Krieg zwischen Staat und eigenem Volk

Der Krieg in der Ukraine wird längst nicht mehr nur an der Front geführt. Eine Szene aus Lwiw, einer Stadt fern der Frontlinien, zeigte den anderen, dumpferen Krieg - den zwischen dem Staat und seinen eigenen Bürgern. Am 8. Juli kippte im Stadtteil Sychiw eine Gruppe von Menschen ein Fahrzeug des militärischen Rekrutierungszentrums um, nachdem Beamte einen 1996 geborenen Mann zur Überprüfung seiner Militärdokumente angehalten hatten.

Laut Rekrutierungszentrum (TZK) habe der Mann angeblich die Regeln zur Militärregistrierung verletzt und sich seit dem 12. Juni dem Dienst entzogen. Doch was die Behörden „Dokumentenprüfung" nennen, beschreiben Augenzeugen ganz anders. „Sie schlugen ihn, stießen ihn in einen Transporter und fuhren davon. Die Leute erhoben sich. Niemand hat das Recht, ein Kind zu packen und in einen Transporter zu werfen", erzählte eine Frau vor Ort.

Der regionale Militärchef Maksym Kozyzkyj versprach eine offizielle Untersuchung zur Rechtmäßigkeit des Vorgehens des Rekrutierungspersonals, und die Polizei behauptet, sie habe nur die öffentliche Ordnung gesichert. Doch schon die Tatsache, dass gewöhnliche Bürger es wagen, ein Staatsfahrzeug umzukippen, spricht von etwas Tieferem als einem einzelnen Vorfall - vom zerbrochenen Vertrauen zwischen den Menschen und der Art, wie die Mobilisierung geführt wird.

Das ist der Teil des Krieges, der selten auf die Titelseiten gelangt. Während die Welt Raketen und Fronten beobachtet, spielt sich in den Städten hinter der Linie ein stilles Drama ab: Familien, die Söhne verstecken, Transporter, die Männer von der Straße greifen, Nachbarn, die herauskommen, um sie zu verteidigen. Jeder lange Krieg beginnt am Ende, auch den eigenen Staat von innen zu fressen. Für eine Region, die sich an ihre eigenen Mobilisierungen und ihre eigene Flucht vor der Uniform erinnert, ist dieses Bild weder fern noch unbekannt.