Skip to content

Norwegen erwägt ein Verbot von Kamerabrillen: Die Ministerin sagt, das Problem sei nicht, wer filmt, sondern wer gefilmt wird

1 Min. Lesezeit
Teilen
Norwegen erwägt ein Verbot von Kamerabrillen: Die Ministerin sagt, das Problem sei nicht, wer filmt, sondern wer gefilmt wird

Norwegen erwägt ein Verbot smarter Brillen und anderer tragbarer Geräte mit eingebauter Kamera. Nicht kennzeichnen, nicht am Rand regulieren - verbieten. Es geht um Geräte, wie sie Meta und Snap herstellen: mit Kamera, mit dem Internet verbunden, und bald vielleicht auch mit Gesichtserkennung.

Digitalministerin Karianne Tung, zitiert von der französischen Agentur AFP, beschrieb, was die Regierung sieht: „einen klaren Trend, künstliche Intelligenz mit Kameras und Mikrofonen zu kombinieren, die in Brillen, Kopfhörer, Mützen und andere Gegenstände eingebaut sind, die wir täglich benutzen“. Dann sagte sie den Satz, um den sich alles dreht: „Wir müssen verhindern, dass diese Ausrüstung zur Überwachung anderer Menschen an öffentlichen Orten genutzt wird.“

Das Schlüsselwort ist anderer. Das gesamte Marketing dieser Geräte ist um den Käufer herum gebaut - deine Hände sind frei, deine Erinnerungen sind aufgezeichnet, dein Assistent sieht, was du siehst. Niemand hat den Menschen gegenüber am Tisch gefragt. Er hat keinen Knopf, keine Benachrichtigung und, anders als bei einem zum Gesicht erhobenen Telefon, nicht einmal ein Zeichen, dass überhaupt aufgenommen wird. Deshalb hat sich in der Öffentlichkeit schon der Spitzname „Perversenbrille“ festgesetzt - ein Name, den keine Marketingabteilung erfunden hat und der trotzdem blieb.

Tung kündigt außerdem eine Expertengruppe zur Beratung der Regierung an; ein mögliches Verbot würde auch die Gesichtserkennung anderer Menschen an öffentlichen Orten einschließen. Das ist eine zweite, härtere Schwelle: Eine Kamera nimmt auf, doch Gesichtserkennung aus einer Aufnahme schafft einen durchsuchbaren Datensatz über jemanden, der in nichts eingewilligt hat.

Norwegen ist kein EU-Mitglied, steht aber auch nicht außerhalb seiner Regeln - und in solchen Fragen ist es meist das erste Land, das eine Linie zieht, nicht das letzte. Die offene Frage ist nicht, ob die Technologie auch zu uns kommt, sondern wer bei uns zuständig wäre, etwas dazu zu sagen, wenn sie ankommt.