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Deutschland steckt neun Milliarden in die Fusion: Die Sparrechnung ist bereits an den Sozialhaushalt adressiert

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Deutschland steckt neun Milliarden in die Fusion: Die Sparrechnung ist bereits an den Sozialhaushalt adressiert

Deutschland hat entschieden, wo es seine vier Forschungszentren für Fusionsenergie baut. Die Summe: bis zu neun von insgesamt 18 Milliarden Euro aus der sogenannten Hightech-Agenda. Das Ziel: Strom zu zwei bis neun Cent je Kilowattstunde. Zum Vergleich: Der weltweite Durchschnittspreis für Haushalte liegt bei rund 17 Cent.

Bundesforschungsministerin Dorothee Bär sagte, was sonst selten so offen ausgesprochen wird: Die USA und China hatten auf diesem Feld bislang einen uneinholbaren Vorsprung, und die neue Agenda gebe Deutschland eine „reale Chance", wettbewerbsfähig zu sein. Berlin räumt also ein, hinterherzuhinken. Das ist ehrlicher als die meisten Mitteilungen über neue Technologien.

Was Fusion ist und warum der Unterschied zählt

Fusion verschmilzt leichte Atomkerne zu schwereren. Die Spaltung, wie sie in bestehenden Kernkraftwerken abläuft, zerteilt Atome. Der Unterschied ist nicht akademisch: Fusion birgt ein minimales Havarierisiko. Es ist das Prinzip, nach dem die Sonne Wärme erzeugt.

Den wissenschaftlichen Nachweis lieferte 2022 Kalifornien, als mit Lasern mehr Energie erzeugt wurde, als in die Reaktion selbst hineinging. Seither ist das Rennen offen. Weltweit gibt es fast 80 private Start-ups auf diesem Gebiet.

Drei Modelle, drei Strategien

Die USA führen mit über 40 privaten Firmen und mehr als sechs Milliarden Dollar Kapital, gestützt auf Technologiekonzerne wie OpenAI, Microsoft und Google sowie die Zusammenarbeit mit nationalen Laboren. Das US-Unternehmen Helion Energy hat bereits einen kommerziellen Vertrag mit Microsoft über die Lieferung von Fusionsstrom unterschrieben, mit einem Ziel um 2028.

China fährt ein staatliches Modell - Fusion wurde zur nationalen Priorität erklärt. Es hält Weltrekorde im Halten stabilen ultradichten Plasmas in seiner „künstlichen Sonne", dem Reaktor EAST, und gründete im vergangenen Jahr ein nationales Konsortium für einen Industrieprototyp, mit angekündigter kommerzieller Anwendung in den 2030er-Jahren.

Die EU beherbergt das größte Wissenschaftsprojekt der Welt - den Reaktor ITER, der in Südfrankreich entsteht, finanziert von einem Konsortium aus 35 Ländern, darunter USA, China, Russland, Indien, Japan und Südkorea. Großbritannien steckte 2,5 Milliarden Pfund in ein eigenes nationales Fusionsprogramm.

Wohin das deutsche Geld fließt

Das erste der vier Zentren ist der Magnettechnologie gewidmet, mit Tests von Tritium als Brennstoff. Die Forschungsreaktoren stehen in Garching und Greifswald, betrieben vom Max-Planck-Institut für Plasmaphysik. Das zweite Zentrum konzentriert sich auf Lasertechnologie - auf die winzigen Brennstoffkügelchen, die bei der Fusion gezündet werden, das Herz des Prozesses und zugleich eine der größten technischen Hürden. Das dritte, am Karlsruher Institut für Technologie, arbeitet an Materialien und Brennstoff, denn der Reaktor muss Temperaturen über 100 Millionen Grad aushalten.

Welcher Brennstoff am geeignetsten ist, steht noch nicht fest. Also weiß auch niemand, wie viel radioaktiven Abfall die Fusion erzeugt und wie lang dessen Halbwertszeit ist. Diese Unbekannten sind keine Fußnote - von ihnen hängt ab, ob die Öffentlichkeit die Technologie akzeptiert.

Die Versprechen und was darunter steckt

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder versprach 400 Millionen Euro - unter der Bedingung, dass sein Land das Projekt bekommt. Zugleich fordert er die Regierung von Kanzler Friedrich Merz auf, mehr zu investieren, indem sie bei „übermäßigen Sozialausgaben" spart.

Da ist der wahre Preis dieser Mitteilung, und er steht nicht in Cent je Kilowattstunde. Die Fusion ist noch weit von einer realen Alternative entfernt, über den technologischen Ansatz entscheidet Berlin erst Mitte der dreißiger Jahre - und die Sparrechnung ist bereits an den Sozialhaushalt adressiert. Unternehmen lobbyieren um Förderung und versprechen enorme Inlandsinvestitionen.

Gelingt es, ist das saubere und praktisch unbegrenzte Energie für ganz Europa - auch für eine Region, die Strom zu Preisen importiert, die jemand anderes diktiert. Gelingt es nicht, nimmt trotzdem jemand die neun Milliarden. Es lohnt zu beobachten, welches von beidem eintritt.