Skip to content

Umspannwerk Dračevo ausgeplündert: zwei 30-Tonnen-Transformatoren umgestürzt, fünf Millionen Euro Schaden

1 Min. Lesezeit
Teilen
Umspannwerk Dračevo ausgeplündert: zwei 30-Tonnen-Transformatoren umgestürzt, fünf Millionen Euro Schaden

Zwei Transformatoren, jeder über dreißig Tonnen schwer, liegen umgestürzt am Boden. Das Öl ausgelaufen. Die Kupferwicklungen verschwunden. Der Schaden liegt nach erster Schätzung bei rund fünf Millionen Euro. Das ist kein Bild aus einem Kriegsgebiet, das ist das Bahnstrom-Umspannwerk Dračevo zwischen den Bahnhöfen Lisiče und Dračevo in Skopje.

Die Mazedonische Bahninfrastruktur teilte mit, aus der Anlage seien Kupferdrähte, Kupferschienen und Stangen gestohlen worden, dazu praktisch sämtliche Geräte und Bauteile, die das Umspannwerk zum Betrieb braucht. Die Anlage ist jetzt vollständig funktionsunfähig. Den Erkenntnissen zufolge zog sich der Diebstahl über etwa sechs Monate. Die Anzeige ging am 25. Juli um 14:25 Uhr ein.

Sechs Monate, in denen niemand etwas gesehen hat

Hier liegt der Punkt, der Aufmerksamkeit verdient. Um einen Transformator von dreißig Tonnen umzukippen, braucht man schweres Gerät. Keinen Dosenöffner, keine bloßen Hände - einen Schwerlastkran oder einen Bagger. Das heißt: Fahrzeuge, die kommen und gehen. Laufende Motoren. Metall, das zerschnitten wird. Über ein halbes Jahr. In Dračevo, das kein einsames Gebirge ist, sondern ein Stadtteil von Skopje.

Das Verkehrsministerium nannte das einen „schweren Angriff auf die kritische Bahninfrastruktur und auf das Eigentum des Staates und der Bürger”, nicht einen gewöhnlichen Kupferdiebstahl. Die Formulierung stimmt. Das Problem ist, dass sie nach fünf Millionen Euro Schaden kommt und nicht davor.

Wer hat das Umspannwerk bewacht?

Ein Bahnstrom-Umspannwerk gehört zu jener Infrastruktur, von der die Sicherheit des Zugverkehrs abhängt. Solche Anlagen haben ein Bewachungsregime, Aufsicht, regelmäßige Kontrollen. Wenn eine Anlage dieser Kategorie binnen sechs Monaten bis zur letzten Schraube zerlegt werden kann, dann lautet die Frage nicht nur, wer sie bestohlen hat, sondern wer fürs Bewachen bezahlt wurde und was er in diesen sechs Monaten getan hat.

Bislang gibt es keine Informationen über Festnahmen. Es gebe Spuren, heißt es von der Polizei, und angeblich Fehler der Täter beim Diebstahl. Fünf Millionen Euro entsprechen ungefähr den Kosten eines kompletten kleinen Infrastrukturprojekts in diesem Land - hier verschwanden sie aus einer Anlage, die dem Staat gehörte und unter Verschluss sein sollte.