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Tirana in Flammen: Molotow, Wasserwerfer, und die Frage, die der Balkan leiser stellt

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Tirana brennt - wörtlich. Am Freitagabend kam es vor dem albanischen Parlament zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten der oppositionellen Demokratischen Partei, die den Rücktritt von Ministerpräsident Edi Rama fordern. Die Spaltung ist längst nicht mehr nur politisch - Molotowcocktails, Leuchtraketen, Fackeln flogen auf die Reihen der Gendarmerie, während Wasserwerfer und Tränengas die Menge auflösten.

Der Anlass ist in einem Satz eines Demonstranten zusammengefasst: "Diese Regierung hat das Verbrechen in die Macht integriert. Schaut, wie viele Bürgermeister, Minister und Abgeordnete angeklagt sind." Eine Frage, die in Albanien längst nicht mehr rhetorisch ist - sie ist Statistik.

Die Krise eskalierte im Dezember, als die Staatsanwaltschaft Belinda Balluku, eine enge Beraterin Ramas, wegen Ausschreibungsbetrugs anklagte. Das Parlament blockierte die Aufhebung ihrer Immunität, und das festigte den Eindruck der Öffentlichkeit, dass sich die politische Klasse gegenseitig schützt. Statt vor der Justiz zu fallen, verstecken sich die Immunen hinter den Institutionen, die sie kontrollieren.

Für den Balkan-Betrachter ist das ein Film, den wir kennen. Skopje 2016, Belgrad 2024, Sarajevo 2018 - andere Länder, gleiche Struktur. Eine korrupte Elite, geschützt durch parlamentarische Arithmetik, eine Opposition, die auf die Straße geht, eine Polizei, die in der Mitte steht. Die Frage, die Bürger in allen Sprachen stellen, ist dieselbe: "Wenn wir Steuern zahlen, wer haftet für uns, wenn an uns niemand denkt?"

Albanien soll bis 2030 in der EU sein. Das ist der Test: Wird Brüssel mit dem Abhaken von Formularen zufrieden sein, oder wird es sie zwingen, einen Weg zu finden, sich mit den verborgenen Machtnetzen auseinanderzusetzen. Die Frage in Tirana wird jetzt gestellt, auf der Straße, mit brennenden Flaschen. In Skopje und Belgrad stellt man sie leiser - aber es ist dieselbe Frage.