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Liechtenstein streicht die Regel, die Frauen vom Thron fernhielt - aber nur für die, die erst noch geboren werden

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Liechtenstein streicht die Regel, die Frauen vom Thron fernhielt - aber nur für die, die erst noch geboren werden

Liechtenstein ist der sechstkleinste Staat Europas, hat etwas mehr als vierzigtausend Einwohner und eine Monarchie, die selten in die Nachrichten kommt. Diese Woche kam sie hinein - mit einer Entscheidung, die weit größere Staaten jahrzehntelang gemieden haben.

Erbprinz Alois, der die Regierungsgeschäfte seit dem 15. August 2004 faktisch führt, gab bekannt, dass das Haus das salische Recht abschafft - jene Regel, die Frauen den Thron verwehrte. An seine Stelle tritt die absolute Erstgeburt: Das erstgeborene Kind wird Thronfolger, unabhängig vom Geschlecht. So einfach, und so spät.

Wo der Haken liegt

Die Regel gilt nur für künftige Geburten. Kein gegenwärtiges Familienmitglied ändert seine Position in der Reihenfolge. Alois bleibt also, wo er ist, sein ältester Sohn Joseph Wenzel, geboren am 24. Mai 1995, bleibt der Nächste - und seine Schwester Marie Caroline, geboren im Oktober 1996, wird ihn weiterhin nicht überholen. Die Reform ist real für die Urenkelin von jemandem, nicht für die Frau, die bereits unter dieser Regel lebt.

„Mit diesen Änderungen wollen wir gewährleisten, dass die Verantwortung für das Haus und für den Staat künftig jenen zufällt, die am besten auf diese Aufgaben vorbereitet sind”, sagte der Prinz. Der Satz ist sorgfältig gebaut - er spricht von Vorbereitung, nicht von Unrecht. Nirgends steht, die frühere Regel sei falsch gewesen; es steht, die neue werde besser sein.

Warum das größere Nachricht ist, als es scheint

Liechtenstein ist keine dekorative Monarchie. Anders als in Großbritannien oder Spanien hat der dortige Fürst echte Befugnisse - ein Vetorecht gegen Gesetze, das Recht, das Parlament aufzulösen. Damit ist die Frage, wer auf diesem Thron sitzt, keine protokollarische, sondern eine Machtfrage. Genau deshalb gehörte das Fürstenhaus jahrzehntelang zu den letzten in Europa, die das Thema nicht einmal berührten.

Schweden tat dasselbe 1980. Die Niederlande, Belgien, Norwegen, Dänemark, Großbritannien - alle durchliefen dieselbe Reform weit früher. Liechtenstein trifft die Entscheidung 2026, und trifft sie mit aufgeschobener Wirkung. Das ist keine Revolution, das ist ein Termin.

Dennoch lohnt es zu bemerken, was es bedeutet, wenn ein Haus mit echter Macht freiwillig die Regel ändert, nach der diese Macht weitergegeben wird. Selten verengt eine Institution von sich aus die Auswahl ihrer Nachfolger. Wenn es geschieht, gibt es meist einen Grund - einen demografischen, einen politischen oder schlicht die Rechnung, dass Ignorieren teurer geworden ist als Ändern.