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Moskau verkündete keinen Angriff, sondern ein Regime: der Meereszugang der Ukraine zum Ziel erklärt

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Moskau verkündete keinen Angriff, sondern ein Regime: der Meereszugang der Ukraine zum Ziel erklärt

Auf den russischen Schlag gegen die Häfen von Odessa und Mykolajiw folgte kein Schweigen, sondern eine Erklärung - und die Erklärung wiegt schwerer als der Schlag. Das russische Außenministerium ließ wissen, man werde weiterhin die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um den Seetransport von Waffen und Munition für die ukrainischen Streitkräfte zu verhindern.

Das ist ein sorgfältig formulierter Satz. Er sagt nicht „wir haben die Häfen angegriffen” - er sagt „wir verhindern Transport”. Er sagt nicht, dass es aufhört, er sagt, dass es weitergeht. Damit verkündet Moskau keinen einzelnen Angriff, sondern ein Regime: Der Seezugang der Ukraine ist zum Ziel erklärt worden, auf unbestimmte Zeit.

Der Mitteilung zufolge richteten sich die Schläge gegen Frachtschiffe und Hafenanlagen in beiden Städten; Moskau behauptet, die Schiffe hätten militärische Fracht für ukrainische Kräfte transportiert. Russland wiederholt, es treffe ausschließlich militärische Objekte und das mit Präzisionswaffen, und schiebt die Verantwortung für die Folgen der ukrainischen Führung und den westlichen Verbündeten zu.

Das ist die Standardformel, und sie hält der Prüfung selten stand. Wenn das Ziel die Hafeninfrastruktur selbst ist, verschwindet der Unterschied zwischen militärischer und ziviler Fracht in der Praxis - dieselben Kräne heben alles. Ein Hafen, der nicht arbeitet, arbeitet für niemanden.

Das Schwarze Meer ist eine Logistikader, nicht nur ein Schlachtfeld. Odessa und Mykolajiw sind der Ausgang, über den die Ukraine ihre Wirtschaft mit dem Rest der Welt verbindet - und genau deshalb ist eine Blockade für den Angreifer billiger als eine Front: Sie erfordert keine Eroberung von Territorium, es genügt, das Risiko so hoch zu treiben, dass niemand ein Schiff losschickt.

Dasselbe Meer ist auch Korridor für Getreide und Dünger Richtung Mittelmeer, und an seiner Küste liegen zwei EU-Mitgliedsstaaten. Das ist also kein ferner Krieg in irgendeinem geschlossenen Becken - das ist Wasser, auf dem man bis in unsere Nachbarschaft segeln kann.

Offen bleibt die Frage, die niemand öffentlich beantworten will: Wie lange kann ein Meer mit sechs Anrainerstaaten als Militärgelände funktionieren, während alle anderen so tun, als sei das das Problem eines Fremden?