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59 Startschienen entlang der Grenze: Russland baut ein Netz, aus dem Drohnen bis Warschau reichen

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59 Startschienen entlang der Grenze: Russland baut ein Netz, aus dem Drohnen bis Warschau reichen

Der britische „Telegraph” hat Satellitenbilder mit im Netz geleakten Dokumenten abgeglichen und kam auf eine Zahl, die keinen Interpretationsspielraum lässt: mindestens 59 neue Startschienen entlang der Grenze zur Ukraine und zu Belarus. Das sind keine Start- und Landebahnen und keine Hangars. Es sind mechanische Führungsschienen, von denen Drohnen mit festen Tragflächen starten - ohne Asphalt, ohne Flugplatz, ohne irgendetwas, das von der Straße aus sichtbar wäre.

Ein Teil dieser Basen ist bereits in Betrieb. Von dort starten Nacht für Nacht die Wellen, die die ukrainische Flugabwehr aufbrauchen, und die Nähe zur Grenze bedeutet, dass Russland viele Drohnen gleichzeitig aufsteigen lassen und in Serien schicken kann. Das ist der heutige Krieg. Was westliche Analysten aber wachhält, ist etwas anderes.

Zwanzig Schienen sind länger als die übrigen

Nach einer Analyse der Firma „DroneSec” sind rund 20 der neuen Schienen merklich länger - was bedeutet, dass sie auf eine neue Generation russischer Langstreckendrohnen ausgelegt sind. Von einigen dieser Stellungen könnten solche Fluggeräte laut der Untersuchung Warschau erreichen. Nicht die Front. Die Hauptstadt eines NATO-Mitglieds.

Hier kommen Geran-4 und Geran-5 ins Spiel. Nach geleakten ukrainischen Dokumenten tragen die neuen Modelle rund 90 Kilogramm Nutzlast, der Strahlantrieb bringt ihnen etwa 600 Kilometer pro Stunde und eine Reichweite nahe 1.000 Kilometern. Die alten Gerans waren langsam, mobile Teams mit Maschinengewehren konnten sie abschießen. Bei den Strahlvarianten schrumpft die Reaktionszeit drastisch.

Es geht weiter. Der ukrainische Militärgeheimdienst warnt, ein Teil der russischen Gerans sei mit Luft-Luft-Raketen ausgerüstet, um sich gegen verfolgende Flugzeuge und Hubschrauber zu wehren. Das Internationale Institut für Strategische Studien verzeichnete einen Fall, in dem eine Geran-4 mit einer R-60-Rakete abgeschossen wurde. Eine Drohne, die zurückschießt - das ist die neue Linie.

Lager für über 1.000 Drohnen an einem Ort

Satellitenbilder zeigen, dass nicht nur die Startkapazitäten wachsen. Eine der Anlagen bietet Platz für die Lagerung von mehr als 1.000 Drohnen gleichzeitig, an mehreren wichtigen Standorten entstehen weiter neue Schienen. Ein Teil des Netzes entstand durch den Umbau bestehender Militärbasen und Zivilflugplätze, ein Teil wurde buchstäblich auf freiem Feld aus dem Nichts gebaut.

Beliefert werden die Basen aus Munitions- und Drohnenfabriken in ganz Russland, darunter der riesige Komplex in der Sonderwirtschaftszone Alabuga in Tatarstan - Russlands wichtigstem Produktionszentrum für Fluggeräte vom Typ Schahed/Geran. Alabugas ursprünglicher Plan lag bei mindestens 6.000 Angriffsdrohnen jährlich, die Kapazitäten wurden seither weiter erhöht. Niemand plant dort eine Drosselung.

Westliche Dienste blicken nach Polen

Die Recherche kommt zu einem Zeitpunkt, an dem europäische und amerikanische Dienste offen Szenarien prüfen, in denen Russland die Reaktion der NATO über eine Provokation gegen Polen testen würde: ein Zwischenfall auf polnischem Gebiet, ein Raketen- oder Drohnenschlag gegen kritische Infrastruktur, sogar eine Operation unter falscher Flagge, deren Schuld man Kiew zuschieben würde.

Der „Telegraph” ist dabei vorsichtig, und das gehört wiederholt: Es gibt keine Hinweise darauf, dass Moskau einen solchen Angriff aus den neuen Basen beschlossen hätte. Es geht um Kapazitäten, die aufgebaut werden, und um Szenarien, auf die sich die NATO vorbereitet. Zwischen Möglichkeit und Absicht liegt ein ganzer Krieg - aber Politik macht man an Fähigkeiten, nicht an Versprechen.

Ein Vertreter der Allianz sagte der britischen Zeitung, die NATO sei bereit, „jeden Zentimeter Bündnisgebiet” zu verteidigen. Eine Formulierung, die wir seit Jahren hören. Die Frage, die bleibt, ist eine andere: Wie schnell lässt sich ein System, das für Angriffe auf die Ukraine gebaut wurde, auf die andere Seite der Grenze drehen?

Für die Staaten an der NATO-Ostflanke ist die Rechnung konkret - neue Basen, 59 entdeckte Schienen, wachsende Lager und schnellere Gerans. Der Balkan steht nicht auf dieser Liste, ist aber nah genug, um zu wissen, dass Infrastruktur selten für nur einen Zweck gebaut wird.