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Der Kreml vor der Wahl: noch brutalere Menschenjagd oder eine neue Mobilmachung, die niemand will

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Der Kreml vor der Wahl: noch brutalere Menschenjagd oder eine neue Mobilmachung, die niemand will

Nach fast fünf Jahren Krieg ist der Kreml bei einer Entscheidung angekommen, die er nicht länger aufschieben kann. Westliche Schätzungen sprechen von über 30.000 getöteten und verwundeten russischen Soldaten pro Monat. Täglich werden rund tausend neue rekrutiert - und diese tausend reichen nicht für einen Vormarsch, sondern nur, um die Lücken in bereits ausgebluteten Einheiten zu stopfen.

Die Wahl vor Moskau reduziert sich auf zwei Möglichkeiten, und beide sind unangenehm. Entweder noch aggressiveres Anwerben per Vertrag oder eine neue Massenmobilmachung - jene Lösung, die Putin zuletzt im September 2022 einsetzte, als er 300.000 Reservisten einberief und zugleich Proteste und eine Fluchtwelle über die Grenze auslöste.

Der Vertrag als Ersatz für die Einberufung

Seither vermeidet Moskau sorgfältig das Wort Mobilmachung. Stattdessen baut es eine Anwerbemaschine, die bislang rund 1,3 Millionen Soldaten geliefert hat. Das Werkzeug ist Geld: Unterschriftsprämien und Zahlungen, die für einen Mann aus einer armen Provinz mehr bedeuten als das, was er zu Hause in mehreren Jahren verdient. Wo die Löhne niedrig sind, ist der Vertrag keine Wahl - er ist die einzige Rechnung, die aufgeht.

Doch die Methoden sind rauer geworden. Die Polizei hält Männer auf der Straße an, holt sie von Arbeitsplätzen oder bestellt sie aufs Revier und bringt sie von dort in Rekrutierungszentren, wo der Druck zur Unterschrift wartet. Ein Aktivist beschrieb es in einem Satz: Alles hat sich in eine Menschenjagd verwandelt - mit Täuschung, Zwang, Drohungen und Gewalt.

Quoten aus Moskau, Bezahlung pro Kopf

Die Regionalgouverneure erhalten Quoten aus der Zentrale. Die Provinzen zahlen sowohl die Anwerber als auch jeden, der einen Mann bringt - mehrere tausend Dollar pro Unterschrift. Das ist keine Armee mehr, die einberuft, sondern ein Markt, der aufkauft. Und wie auf jedem Markt steigt der Preis, wenn das Angebot knapp wird, und die Mittel zur Beschaffung der „Ware” werden härter.

Umfragen zeigen, dass das Vertrauen der Russen in den Kriegsverlauf auf den niedrigsten Stand seit April 2022 gefallen ist. Analysten erwarten, dass Moskau zunächst die Prämien und den Druck auf die Regionen erhöht und die Mobilmachung als letzte Option aufspart - denn der politische Preis von 2022 ist im Kreml noch in Erinnerung.

Genau hier wird die Geschichte dunkler als die Zahlen. Der Staat hat kalkuliert, dass es billiger ist, Menschen einzeln zu kaufen, als die Nation laut zu fragen. Solange die Rechnung in Provinzen bezahlt wird, über die Moskau selten spricht, bleibt der Krieg etwas, das anderen widerfährt.