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Vučić sagt Podgorica ab - 20 Jahre Unabhängigkeit für Montenegro, weiter ein Schmerz für Belgrad

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Montenegro nähert sich 2026 dem 20. Jahrestag seiner erneuerten Unabhängigkeit und verschickt bereits Einladungen zur Feier. Eine davon erreichte Belgrad. Aleksandar Vučić, von Journalisten gefragt, antwortete ohne viel Manövrieren: "Selbstverständlich werde ich daran nicht teilnehmen. Die Abspaltung zu feiern - es wäre mir peinlich."

Der Satz ist kein diplomatischer Ausrutscher. Es ist eine bewusst formulierte politische Position. Zwanzig Jahre nach der Wiederherstellung der Unabhängigkeit Montenegros (Mai 2006) sind ein Jubiläum, aus dem Podgorica ein Spektakel machen will - aber in Belgrad wird dieses Datum noch immer nicht als Feiertag gelesen, sondern als Abschied. Vučić sagte das seinem Nachbarn ohne viel Verpackung.

Der Kontext ist wichtig. Die Beziehungen zwischen Serbien und Montenegro bewegten sich in den letzten Jahren zwischen kühlem Frieden und offenen Spannungen - um die Serbisch-Orthodoxe Kirche, um Fragen der doppelten Staatsbürgerschaft, um die Haltung zu Sanktionen gegen Russland. Milojko Spajić führt nun das montenegrinische Kabinett mit proeuropäischer Agenda, doch die Geschichte von 2006 schwelt in der serbischen Politik weiter wie ein abgerissener Finger.

Vučić nutzte die Fragen der Journalisten, um auch an einer anderen Front nachzulegen. Er sprach über NIS (Erdölindustrie Serbiens) - und erklärte zufrieden, es gebe mehrere interessierte Käufer und zwei davon hätten "rund zwei Milliarden Euro" parat. Die Absicht ist klar - ein Signal nach Moskau, ein Signal nach Brüssel und ein Signal nach Hause: kein Preis ist zu hoch, wenn Positionen vor Wahlen gesichert werden.

Zu den Wahlen sprach Vučić ohne viel Romantik. Er räumte ein, in einer "Verliererposition" zu sein, während die Opposition ein "Win-Win"-Szenario genieße, und am Ende würden die Bürger entscheiden. Für einen Politiker in seiner Position ist das ein seltsamer Satz - doch Vučić ist schlau genug zu wissen, dass solche Rhetorik in den Medien Ruhe simuliert, während im Hintergrund Positionen aufgebaut werden.

Für Leser auf dem Balkan hat die Geschichte mehrere Schichten. Erste: dass die Feier in Podgorica eine weitere Position im Katalog regionaler Spannungen sein wird, nicht der Versöhnungen. Zweite: dass Vučić erneut zeigt, dass die Abspaltung Montenegros in der serbischen Politik weiter als "Tragödie" gelesen wird, nicht als "Urteil der Geschichte". Und dritte - dass immer weniger regierende Politiker in der Region es wagen, eine symbolische Delegation zu schicken, selbst wenn die Diplomatie es nahelegt. Der Balkan spricht durch Anwesenheit und Abwesenheit. Diesmal wird die Abwesenheit laut sprechen.