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23.04.2026
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12.04.2026
In Utah, USA, wächst ein Wesen, das alles aufsammelt, was wir über Bäume zu wissen glauben, und es ins Wasser wirft: Pando, eine Kolonie aus 47.000 genetisch identischen Espenstämmen, verbunden durch ein einziges gemeinsames Wurzelsystem auf einer Fläche von 40 Hektar. Es wiegt rund 6.000 Tonnen - das größte Lebewesen des Planeten nach Masse - und ist, Schätzungen zufolge, 12.000 Jahre alt. Und nun haben Wissenschaftler es zum ersten Mal von innen gehört.
Der Klangkünstler Jeff Rice setzte ein Hydrofon - ein Unterwassermikrofon - in die Höhlung eines Astes und führte es bis zum Wurzelsystem. Während eines Sturms nahm das Gerät ein tiefes, gedämpftes Grollen auf. „Ich glaube, was zu hören ist, ist der Klang von Millionen Blättern im Wald, deren Vibrationen durch den Baum wandern, an den Ästen hinabgleiten und sich im Boden absetzen", erklärt Rice.
Noch faszinierender ist der zweite Befund: Das Hydrofon registrierte einen Schlag auf einen fast 28 Meter entfernten Ast - eine Distanz, die der Schall durch die Luft nicht erreichen würde. Das stützt die Theorie, dass die ganze Kolonie wirklich unterirdisch verbunden ist, auch wenn die Forscher sich vorsichtig absichern: Es braucht weitere Experimente, um auszuschließen, dass der Schall durch den Boden selbst wanderte.
Die Organisation Friends of Pando, die Rice als Artist-in-Residence einlud, sieht in den Aufnahmen weit mehr als Kunst. „Wind, verwandelt in eine Vibration, die durch das Wurzelsystem wandert, kann uns nicht-invasiv offenbaren, wie das riesige, verborgene hydraulische System von Pando funktioniert", sagt Gründer Lance Oditt. Die nächsten Schritte: das Verfolgen der Wasserbewegung, der Verbundenheit der Äste, der Insektenkolonien und der Tiefe der Wurzeln - alles durch Zuhören.
Und zum Schluss die obligatorische Bitterkeit: Ein Wesen, das 12.000 Jahre überlebt hat - ganze Zivilisationen, Eiszeiten, Imperien - ist heute durch Rodung und durch das gestörte Gleichgewicht zwischen Raubtieren und Pflanzenfressern bedroht. Der Riese, der uns alle überlebt hat, überlebt vielleicht gerade uns nicht. Wenn ein 6.000 Tonnen schwerer Baum sprechen kann, ist die Frage, ob hier oben jemand zuhört.
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