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Amerikanische Ermittler öffnen eine Akte zu Verbrechen an Serben in Bosnien

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Amerikanische Ermittler öffnen eine Akte zu Verbrechen an Serben in Bosnien

Dreißig Jahre später sind einige der Zeugen noch am Leben und erinnern sich noch an die Namen. Das ist es, was kein Archiv ersetzen kann, und das, wovor alle Angst haben, die dachten, die Zeit allein werde sie auslöschen.

Amerikanische Ermittler haben eine Untersuchung zu Kriegsverbrechen eingeleitet, die zwischen 1992 und 1995 an Serben in Bosnien und Herzegowina begangen wurden. Die Anhörungen fanden in Derventa statt, wo fünf amerikanische Ermittler die Aussagen zweier Lagerüberlebender, Zeljko Stajcic und Drago Knezevic, anhörten.

Knezevic, Vorsitzender des Vereins der Lagerinsassen aus Derventa, teilte mit, die amerikanischen Ermittler hätten sich besonders auf die Brüder Muris und Haris Skelic konzentriert, die der Verbrechen an Serben in Derventa im Jahr 1992 verdächtigt werden. Er fügte hinzu, die Verdächtigen hätten Arbeitserlaubnisse und Visa für die USA auf Grundlage falscher Angaben erhalten, sie hätten nicht am Krieg teilgenommen.

Wenn das stimmt, ist die Frage schon für sich schwer: Wie landet jemand, der der Verantwortung für Kriegsverbrechen entflieht, mit tadellosen Papieren ausgerechnet in dem Land, das ihn nun untersucht? Quellen zufolge sind in den kommenden Tagen die Aussagen von acht weiteren Überlebenden angesetzt, und die Untersuchung betrifft auch die Lager Rabic und das ehemalige Armeehaus in Cardak.

Unter den Zeugen ist auch Milenko Milanovic aus Bijeljina, der aussagte, in der Kaserne in Visoko seien zwischen 1992 und 1993 etwa tausend serbische Gefangene festgehalten worden. Er legte Dokumente und ein Buch vor, das auf Grundlage seines Tagebuchs aus der Gefangenschaft geschrieben wurde und in dem die Namen von Wächtern und Peinigern aufgeführt sind.

Der Balkan hat in einer Sache eine lange Tradition: Jeder zählt nur die eigenen Opfer und stellt die der anderen beiseite. Deshalb ist jede Untersuchung, die feststellen will, was wirklich geschah, gleichgültig wer sie einleitete, mehr als notwendig. Die Frage ist nicht, wessen Opfer mehr zählen. Die Frage ist, ob endlich jemand dafür zur Rechenschaft gezogen wird, oder ob auch dies eine weitere Seite in einem Archiv bleibt, das niemand öffnet.