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9 Gigawatt, 23 Atombomben Hitze pro Tag: das KI-Zentrum in Utah, das Physiker als Katastrophe bezeichnen

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Stratos ist ein Projekt, das in Box Elder County, nördlich vom Großen Salzsee in Utah, gebaut werden soll. Die Maschine wird 9 Gigawatt elektrische Leistung benötigen - mehr als der Gesamtverbrauch mancher Länder. All diese Energie wird in Wärme umgewandelt. Deshalb sagen Physiker: tägliche Wärmeabgabe entsprechend 23 Hiroshima-Atombomben. Jeden Tag. Auf unbestimmte Zeit.

Die Zahl ist keine Metapher. Der Physiker Robert Davis rechnet so: 9 Gigawatt aus den Servern, plus Verluste aus Gasgeneratoren mit 50-55 Prozent Wirkungsgrad, ergibt insgesamt rund 16 Gigawatt Wärmeabgabe. Das ist die Energiemenge, die als Wärme in die Atmosphäre freigesetzt wird. Und die Physik kennt nur eine Regel: die Energie, die hineingeht, muss wieder herauskommen.

Was bedeutet das für die Umgebung? Simulationen zeigen einen täglichen Temperaturanstieg von 2,8 Grad Celsius und einen nächtlichen von 15,5 Grad. In einem Tal, in dem die Luft sich natürlich staut, entsteht ein konzentrierter „Wärmeinsel”-Effekt. Bestehende Untersuchungen ähnlicher Anlagen haben gezeigt, dass innerhalb eines Radius von wenigen Kilometern die Bodentemperaturen um bis zu 9 Grad steigen können.

Hinter dem Projekt steht Kevin O'Leary, bekannt aus Shark Tank. Die Idee ist klar: KI-Zentren fressen riesige Mengen Strom, und wenn man einen Standort findet, an dem man ohne Hindernisse bauen kann und garantierte Energie hat, sitzt man auf Milliarden an Gewinn. Die lokalen Behörden in Utah sind offen für das Geschäft. Die Frage der Klimafolgen - die steht nicht auf ihrer Tagesordnung.

Zum Vergleich - das Projekt Pantheon in Topusko, Kroatien, wird mit 1 Gigawatt Kapazität betrieben. Das ist neunmal weniger als Stratos. Die kroatischen Entwickler behaupten, sie würden die Auswirkungen durch Solarproduktion (500 Megawatt) und ein wasserbasiertes Kühlsystem reduzieren. Ob das ein technisches Wunder oder Marketing ist - wird sich zeigen.

Für den Balkan ist das eine Geschichte mit zwei Gesichtern. Einerseits bringt die KI-Branche Investitionen und Arbeitsplätze. Andererseits - selbst das kroatische Projekt, das neunmal kleiner ist als das amerikanische, wird Klimafolgen haben, die noch nicht vollständig erforscht sind. Wenn das Silicon Valley entscheidet, dass KI ohne Grenzen wachsen muss, bleiben die Folgen nicht in Kalifornien. Sie verteilen sich überall dort, wo Zentren gebaut werden.

23 Atombomben Wärme pro Tag. Nicht im Sinne einer Explosion - im Sinne von Energie, die in die Atmosphäre freigesetzt wird. Eine Zivilisation, die diesen Weg wählt, muss zumindest zugeben, was sie tut. Bisher tun alle so, als sei das „Fortschritt”, und nicht etwas, worüber ernsthaft nachgedacht werden müsste. Das ist das erste Zeichen, dass Fortschritt bereits wie eine Religion behandelt wird - nicht hinterfragbar, nur zählbar.