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Russlands Kriegswirtschaftsmodell knackt: 21 Prozent Zins, Rückgang in den ersten beiden Monaten und Putin fordert Antworten, die der Kreml nicht hat

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Russlands Kriegswirtschaftsmodell knackt: 21 Prozent Zins, Rückgang in den ersten beiden Monaten und Putin fordert Antworten, die der Kreml nicht hat

Das militärische Wirtschaftsmodell Russlands beginnt zu knacken. Nach anderthalb Jahren der Behauptungen, die russische Wirtschaft halte westliche Sanktionen aus und die Rüstungsproduktion stärke die Nation - bricht eine neue Realität durch. Die Zahlen lassen sich nicht mehr verbergen.

Das anfängliche Kriegswachstum war Resultat rascher Militarisierung. Fabriken stellten auf Rüstungsproduktion um, staatliche Verteidigungsausgaben trieben das BIP. Auf dem Papier sah es aus, als würde sich „die russische Wirtschaft konsolidieren". In Wahrheit war es eine klassische Kriegswirtschaft - mit kurzen und langen Folgen. Kurzfristig sehen die Zahlen gut aus. Langfristig häufen sich die Probleme.

Russlands Zentralbank hielt die Zinsen lange bei 21 Prozent, um den Inflationsdruck zu bändigen. Das erstickte Kreditvergabe und normale Wirtschaftstätigkeit. Im Januar und Februar dieses Jahres schrumpfte die Wirtschaft unerwartet - ein Rückgang, nicht nur eine Abkühlung. Im Kreml löste das Panik aus, weil die offiziellen Prognosen mindestens 2 Prozent Wachstum vorsahen.

Bei einer Wirtschaftssitzung im April zeigte Putin sichtbares Missfallen. „Ich hoffe, detaillierte Berichte zur aktuellen wirtschaftlichen Lage zu hören und dazu, warum die makroökonomischen Indikatoren unter den Erwartungen bleiben", sagte er damals. Das ist das näheste, was Putin in einem Jahrzehnt einer öffentlichen Kritik an den eigenen Behörden gekommen ist. Hinter verschlossenen Türen heißt es aus Kreml-Quellen, die Reaktion sei scharf gewesen.

Die Zentralbank senkte die Zinsen Ende April auf 14,5 Prozent. Offizielle Statistiken zeigen für März ein Wachstum von 3,8 Prozent, doch das Geschäftsvertrauen ist auf ein Jahresminimum gefallen. Der Dienstleistungssektor liegt auf dem niedrigsten Stand seit 40 Monaten. Wenn die echten Unternehmer den Statistiken nicht trauen - dann heißt das etwas.

Neben den Haushaltsproblemen haben der lange Krieg mit kaum bewegter Front, die hohen Verluste und die verstärkten ukrainischen Angriffe tief auf russisches Territorium den Krieg nicht mehr „fern" erscheinen lassen. Preise steigen. Konsumgüter werden knapp. Die Angst vor Mobilmachung liegt wieder auf dem Niveau von 2022. Die staatliche Sprachkontrolle weitet sich Monat für Monat aus. Für den Balkan-Leser - bekannte Symptome. Es ist das Zeichen, wenn ein Staat merkt, dass das Regime keine Antworten mehr hat, nur Hinhaltetaktik.