Skip to content

„Sichere Stadt“ mit 151 Strafen an anderthalb Tagen im Vardar-Tal: die wichtigere Zahl betrifft 35 Menschenleben

1 Min. Lesezeit
Teilen
„Sichere Stadt“ mit 151 Strafen an anderthalb Tagen im Vardar-Tal: die wichtigere Zahl betrifft 35 Menschenleben

Hunderteinundfünfzig Strafen an anderthalb Tagen. So viele registrierte das System „Sichere Stadt“ in den ersten 36 Stunden, seit es im Polizeibezirk Veles in Betrieb ging - ein Gebiet, das Veles, Kavadarci, Negotino und Demir Kapija umfasst.

Die Zahlen nannte Innenminister Panche Toshkovski bei einem Besuch in Veles. Am Samstag wurden 124 Strafen registriert, bis Sonntagmittag weitere 27. Der größte Teil entfällt auf zu schnelles Fahren - nur drei bis vier auf das Überfahren einer roten Ampel.

„Wir haben verstanden, dass die Einführung des Systems ‚Sichere Stadt‘ dem Schutz von Menschenleben dient und nicht der Füllung des Haushalts. Die Bürger haben gezeigt, dass sie sich europäisch verhalten können“, sagte Toshkovski. Veles bekam auch ein Kommandozentrum für das System, untergebracht in vollständig sanierten Räumen, die zuvor das Verteidigungsministerium nutzte und die danach fünfzehn bis zwanzig Jahre leer standen.

Die Zahl, die wirklich etwas bedeutet

Von allen genannten Zahlen ist eine wichtiger als sämtliche Strafen zusammen. Bis einschließlich August des Vorjahres starben auf mazedonischen Straßen 96 Menschen. Im selben Zeitraum dieses Jahres - 61. Das ist eine Differenz von 35 Menschenleben, über ein Jahr gerechnet.

Diese Zahl verdient eine Wiederholung, weil sie selten ist. Sie ist keine Prognose, kein Versprechen, kein „schauen wir in fünf Jahren“. Sie ist der Abstand zwischen zwei Spalten derselben Tabelle, und dieser Abstand besteht aus Menschen, die noch leben.

Eine Frage bleibt dennoch offen. Wenn der Rückgang der Opferzahlen den Kameras zugeschrieben wird, was geschah dann bislang dort, wo es keine Kameras gibt - im Vardar-Tal bis gestern? Das System wird schrittweise ausgerollt, Stadt für Stadt, und das heißt: Die Sicherheit eines Fahrers hängt davon ab, in welchem Landesteil er unterwegs ist. Toshkovski sprach es selbst an: Am selben Tag ging es um den Unfall bei Miladinovci, wo zwei Menschen noch am Unfallort starben. Dort gibt es keine Kameras.

Die zweite Frage deckt keine Pressekonferenz ab: Was passiert mit dem Geld aus den Strafen? Der Minister sagt, das System diene nicht der Haushaltsfüllung. Schöner Satz - aber 151 Strafen an anderthalb Tagen, multipliziert mit den Wochen und den Städten, die noch folgen, ergeben eine ernsthafte Summe. Die Öffentlichkeit hat ein Recht darauf zu sehen, wohin dieses Geld fließt, aus reinem Interesse: Fließt es tatsächlich zurück in die Verkehrssicherheit, ist das eine Geschichte, die man erzählen sollte. Wenn nicht - dann bleibt der Satz eben nur ein Satz.