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„Albanien steht zu Skopje": Studenten in Tirana am 26. Mai vor der mazedonischen Botschaft - das Problem ist geerbt, die Politiker haben die Rollen getauscht

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Albanische Studenten haben für den 26. Mai einen Protest auf dem Skanderbeg-Platz in Tirana und anschließend einen Marsch zur mazedonischen Botschaft angekündigt. Anlass - Solidarität mit albanischen Jurastudenten in Mazedonien, die das Recht fordern, das Justizexamen auf Albanisch statt auf Mazedonisch abzulegen. Das Motto: „Albanien steht zu Skopje".

Es ist der dritte Protest zur gleichen Frage. Der erste fand am 6. April in Skopje statt, der zweite am 18. Mai. Das Justizministerium lehnte den Antrag ab, und die Regierung beschloss, die Frage an die Venedig-Kommission zu verweisen - der klassische mazedonische Schachzug, wenn eine Entscheidung politisch heikel ist und an eine externe Institution ausgelagert wird, um Deckung zu bekommen.

Ministerpräsident Hristijan Mickoski reagierte auf die Opposition mit der Aussage, die Regierung „löse ein geerbtes Problem", für das frühere Regierungen 20 Jahre Zeit hatten, das sie aber nicht angefasst haben. VLEN-Chef Bilal Kasami behauptet, es gebe eine Vereinbarung, die albanischen Studenten erlaube, Fachprüfungen in ihrer Sprache abzulegen. Justizminister Igor Filkov entgegnete, das Justizexamen sei eine Frage fachlicher Kompetenz und der Rechtsordnung, nicht der Politik.

Hinter dem Rechtsstreit steckt eine grundlegende Frage - wie weit reicht das Recht der albanischen Bevölkerung Mazedoniens auf Nutzung ihrer Amtssprache? Der verfassungsrechtliche Rahmen erkennt beide Sprachen an, in der Praxis bleibt Mazedonisch jedoch die Arbeitssprache der meisten Institutionen. Das Justizexamen ist eine symbolische Frage - nicht zur Fachkompetenz der Kandidaten, sondern dazu, wie der Staat seine eigenen Gesetze auslegt.

Der Protest in Tirana sendet eine Botschaft, die niemand in der mazedonischen Regierung hören will - dass als „intern" deklarierte Fragen geopolitisches Gewicht haben. Zum ersten Mal wird auf ausländischem Boden gegen mazedonische Bildungspolitik demonstriert. Das ist kein nebensächliches Faktum. Für Balkan-Leser mit Gedächtnis ist es ein Hinweis darauf, wie schnell ein fachlicher Streit zur politischen Krise wird, wenn beide Seiten Kompromisse ablehnen.