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Britisches Paar im Iran ohne Telefon: 10 Jahre in Evin, Familie eine Woche ohne Nachricht

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Das britische Paar - Lindsay und Craig Foreman, beide 53 - hatte bis vor wenigen Tagen noch telefonischen Kontakt zur Familie. Jetzt nicht mehr. Sie wurden im Januar 2025 im Iran festgenommen, während sie auf Motorrädern um die Welt reisten. Sie sind wegen angeblicher Spionage zu 10 Jahren Haft verurteilt worden. Untergebracht sind sie im „Evin"-Gefängnis in Teheran - weltweit bekannt als Ort, aus dem viele nicht herauskommen.

Die Familie - insbesondere Sohn Joe Bennett - hat seit mehr als einer Woche nichts von der Mutter gehört. Nach Angaben von NGOs, die an der Freilassung des Paares arbeiten, haben die iranischen Behörden den Telefonzugang als „Reaktion" auf ein Medieninterview gekappt, in dem das Paar sagte, es fühle sich „verlassen" und die Chancen auf Freilassung schrumpften.

„Wir wissen nicht, ob meine Mutter und Craig sicher sind", sagte Bennett. Ein Satz, der für die britische Öffentlichkeit dramatisch klingt; für uns auf dem Balkan klingt er vertraut - es ist der Satz, den viele Mütter in den 1990ern über ihre Söhne im Krieg sagten.

Das britische Außenministerium verurteilte das Urteil als „völlig inakzeptabel und ungerechtfertigt". Aber die Realität ist, dass London keine Handhabe gegenüber Teheran hat. Keine Botschafterbeziehungen, keinen wirtschaftlichen Hebel, keine direkte Linie über die USA (besonders nicht beim aktuellen Ton der Trump-Administration gegenüber dem Iran).

Vielleicht das entlarvendste Detail in dieser Geschichte beleuchtet Lindsay Foreman in einem früheren ITV-Interview: Während US-amerikanischer und israelischer Schläge gegen den Iran im vergangenen Jahr hörte man im „Evin"-Gefängnis Raketen und Drohnen. Die Insassen gerieten in Panik. „Wenn die Gebäude wackeln, können wir nirgendwohin flüchten", sagte sie. Das Gefängnis habe, so betonte sie, keine richtigen Notausgänge.

Eine größere Tragödie als zehn Jahre Haft wegen Spionage mit gefälschten Beweisen ist nur das Szenario, dass ihr Gefängnis von einer Rakete getroffen wird. Und derzeit, bei der Eskalation zwischen Iran und Westen, ist dieses Szenario noch immer denkbar.

Für Balkan-Leser: 10 Jahre ohne Möglichkeit normaler Kommunikation, in einem fremden Gefängnis, mit fabrizierten Vorwürfen - das ist eine Geschichte, die viele unserer Diaspora und Insider aus den 1990ern kennen. Nicht zufällig nennen britische Journalisten das „unvorstellbar". Auf dem Balkan lesen wir es als „schon gehört".