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Der Kreml hat einen ernsteren Gegner als den Westen: Russlands Mittelschicht ohne Internet, ohne Brot, ohne Geduld

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Wenn der russische Präsident Wladimir Putin vom „Ende des Krieges in der Ukraine" spricht, tut er das im Ton eines Mannes, der den Sieg schon in der Hand hält. Die Realität ist, wie die meisten Experten analysieren, anders. Der Kreml hat ein internes Problem, das langsam beginnt, ihn aufzufressen - und es kommt nicht aus dem Westen.

Es ist die stille Erosion der drei Säulen, die das Regime tragen: russische Nationalisten, Bewohner annektierter Gebiete und die Mittelschicht. Die ersten beiden Gruppen sind ideologisch festgezurrt - sie bekommen einen „erkauften Frieden", eine Siegesnarrative, und Enttäuschung kann nirgendwo entstehen. Die dritte Gruppe ist die, mit der der Kreml ein Problem hat.

Die Mittelschicht will keinen „Sieg". Sie will eine durchschnittliche Lebensqualität: ungehinderten Internetzugang, stabile Brotpreise, die Möglichkeit zu reisen, dass der Sohn auf irgendeine normale Universität geht. All das ist in den letzten zwei Jahren in Teilen kollabiert. Soziale Netzwerke sind blockiert, die Inflation hat die Ersparnisse gefressen, und russische Banken funktionieren nicht wie westliche.

Analysten, die das innere Leben Moskaus verfolgen, sehen dasselbe Muster wie in den späten 1980ern - den Moment, in dem ein System vergisst, dass auch seine Funktionäre Frauen, Kinder und Pässe haben. Keine Revolution. Sondern eine elitäre Neukonfiguration. Hinter der Fassade eines „monolithischen Kremls" gibt es mehrere Fraktionen, und sie haben begonnen, sich für eine Post-Putin-Ära zu positionieren. Die Frage ist „wann", nicht „ob".

Was bedeutet das für die Realität? Alle Varianten, die die Experten betrachten, führen zu demselben Ergebnis: ein eingefrorener Konflikt in der Ukraine, keine „bedingungslose Kapitulation". Nicht, weil Moskau nicht mehr will - sondern weil es sich nicht mehr leisten kann. Ein endloser Krieg ist sogar für ein Land teuer, das sich selbst als energiesouverän bezeichnet.

Für den Balkan ist das ein lehrreicher Moment. Eingefrorener Konflikt - das ist das Szenario, mit dem unsere Region 30 Jahre gelebt hat. Bosnien, Kosovo, Zypern. Wir wissen, wie das aussieht. Wir wissen, wie teuer es ist. Und wir wissen, dass „eingefroren" nicht „beendet" heißt - es heißt „wartend".