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Kann ein Mensch an Trauer sterben? Was die Wissenschaft wirklich sagt - und warum die Antwort nicht einfach nein ist

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Kann ein Mensch an Trauer sterben? Was die Wissenschaft wirklich sagt - und warum die Antwort nicht einfach nein ist

Kann ein Mensch an Trauer sterben? Die Frage öffnete sich erneut nach dem Tod der iranischen Autorin Marjane Satrapi, Trägerin des Preises „Prinzessin von Asturien" und Schöpferin des Graphic Novel „Persepolis". Sie starb in Paris mit 56 Jahren, etwas mehr als ein Jahr nach dem Tod ihres Mannes, nachdem sie öffentlich geschrieben hatte: „Ich habe die Liebe meines Lebens verloren." Eine medizinische Diagnose namens „Tod durch Trauer" gibt es nicht - aber das heißt nicht, dass die Antwort einfach „nein" lautet.

„Wir sterben nicht buchstäblich an Trauer, aber ein Verlust kann uns so tief brechen, dass auch der Körper anfängt zu erlöschen", sagt der Psychologe Juan Nieto. Der Psychiater Javier Ruiz Blanco erklärt, dass intensiver Schmerz das Immunsystem aus dem Gleichgewicht bringen oder bestehende Zustände wie Herzschwäche oder Diabetes verschlimmern kann - und gerade über sie indirekt zum Tod führen kann.

Was geschieht im Körper, wenn wir jemand Wesentlichen verlieren? Stressmechanismen setzen ein: Cortisol schießt hoch, der Schlaf wird gestört, der Appetit verändert sich, die Immunität sinkt, Entzündungen treten im ganzen Körper auf, die Herzfunktion verschiebt sich. Das Gehirn durchläuft etwas wie einen Entzug - die Routinen und die Identität, die um diese Person herum aufgebaut wurden, verschwinden plötzlich, und das System weiß nicht, wie es ohne sie funktionieren soll.

Das Risiko ist größer bei älteren Menschen mit bestehenden Krankheiten, aber auch die Jüngeren sind nicht immun. Trauer, die „eingefroren" bleibt - wenn der Schmerz monatelang nicht nachlässt, wenn ein Mensch nicht ins tägliche Leben zurückfindet - braucht Hilfe, nicht Geduld. Nicht, weil du vergessen sollst, sondern weil der Verlust einen Platz in der Geschichte deines Lebens finden muss, statt sie zu beenden.

Die moderne Psychologie sieht Trauer nicht mehr als zu heilende Krankheit, sondern als Anpassung, die Unterstützung braucht. Erlaube dir zu fühlen, isoliere dich nicht, behalte zumindest einen Teil deiner Routinen, kehre langsam zu den Dingen zurück, die dir guttun. Und am wichtigsten - such Hilfe, wenn der Schmerz unerträglich wird, wenn gewöhnliche Aufgaben unmöglich werden, wenn Gedanken auftauchen, vor denen du selbst Angst hast. Die Frage „kann man an Trauer sterben" hat eine weniger wichtige Antwort als die Frage - wer an deiner Seite ist, wenn die Trauer am schwersten wiegt.