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Ein Skorpion einen Meter lang, mit 16-Zentimeter-Scheren: der größte, der je lebte, wartete ein Jahrhundert im Museumsregal

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Ein Skorpion einen Meter lang, mit 16-Zentimeter-Scheren: der größte, der je lebte, wartete ein Jahrhundert im Museumsregal

Stellen Sie sich einen einen Meter langen Skorpion vor, mit Scheren von je 16 Zentimetern, der in einem flachen prähistorischen Meer jagt. Es ist keine Szene aus einem Horrorfilm, sondern die jüngste Entdeckung der Wissenschaft - Praearcturus gigas, der größte Skorpion, der je existierte, der vor etwa 415 Millionen Jahren über den Boden des heutigen Großbritannien wanderte.

Am interessantesten ist, wie er „entdeckt“ wurde. Die Fossilien lagen tatsächlich über ein Jahrhundert lang falsch klassifiziert in einem naturhistorischen Museum in London. Schon in den 1870ern erklärte sie jemand zu Asseln - einer Art Krebstier. Erst jetzt, mit Computertomografie und einer erneuten Analyse von acht Exemplaren von drei Fundorten, begriffen die Wissenschaftler, womit sie es tatsächlich zu tun haben.

Den entscheidenden Beleg fand Richard Howard, Kurator für fossile Gliederfüßer am Museum - ein langes, dreieckiges Brustbein mit einer Rille in der Mitte, dasselbe wie bei einem verwandten kanadischen Skorpion. Der Körper war mit groben Höckern bedeckt, typisch für Skorpione, und die Scheren groß genug, um unangenehme Gedanken hervorzurufen. „Sie möchten einem solchen Wesen nicht in einer dunklen Gasse begegnen“, scherzt der Paläobiologe Russell Bicknell.

Laut den am 2. Juni in der Zeitschrift Palaeontology veröffentlichten Forschern führte das Tier wahrscheinlich ein halbaquatisches Leben und jagte primitive kieferlose Fische - denn kleine Beute hätte für einen so großen Körper einfach nicht gereicht. Howard erklärt das Fehlen einiger Teile mit einem schönen Bild: „Wenn Sie ein Dinosaurierskelett ohne Kopf finden, nehmen Sie nicht an, dass es keinen Kopf hatte.“

Es liegt etwas Beruhigendes in solchen Nachrichten inmitten der heutigen Schlagzeilen über Kriege und Krisen. Eine Erinnerung daran, dass der Planet Geschichten trägt, die weit älter sind als all unsere Grenzen und Konflikte - und dass manche der größten Entdeckungen nicht aus neuen Grabungen kommen, sondern aus einem genaueren Blick auf das, was wir schon im Regal haben.