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Das Müllgeschäft setzt 120 Millionen Euro um, doch 90 Prozent des Abfalls landen trotzdem auf der Deponie: Wir sammeln, Bulgarien recycelt

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Das Müllgeschäft setzt 120 Millionen Euro um, doch 90 Prozent des Abfalls landen trotzdem auf der Deponie: Wir sammeln, Bulgarien recycelt

Für die einen ist es Abfall, für die anderen ein Geschäft mit neun Stellen. Während der Müll auf den Straßen und Deponien ein alltägliches Bild bleibt, steht hinter den Containern eine Branche, die jährlich über 120 Millionen Euro umsetzt. Und während das Geld wächst, steht das Recycling still - neunzig Prozent des im Land gesammelten Abfalls landen weiterhin auf der Deponie, wo Natur und Gesundheit eine Rechnung zahlen, die nirgends verbucht wird.

Die Zahlen der Branche sind eindrucksvoll. Im vergangenen Jahr kassierten die Firmen für Sammlung und Verarbeitung von Abfall 120,2 Millionen Euro Umsatz. Der Umsatz lag 3,36 Prozent unter dem Vorjahr, doch der Gewinn stieg um 7,1 Prozent auf 4,6 Millionen Euro. Das alles bewältigten 168 Firmen, und die zehn ertragreichsten schnappten sich fast 59 Prozent des ganzen Kuchens.

Die Liste führt das Skopjer kommunale Unternehmen Komunalna Higiena mit 23,4 Millionen Euro an - der größte Akteur und Träger der öffentlichen Dienstleistung in der Hauptstadt. Direkt dahinter folgt das Teknometal aus Tetovo, das seinen Umsatz auf fast 12 Millionen Euro mehr als verdoppelte, während die Top Ten von öffentlichen Kommunalbetrieben dominiert wird - von Kavadarci und Prilep bis Ohrid und der Deponie Drisla.

Geld ist da, Recycling kaum

Hier liegt das Paradox. Die Branche ist profitabel, doch das Abfallsystem hinkt hinterher. In Mazedonien fallen jährlich rund 791.000 Tonnen Siedlungsabfall an, gesammelt werden etwa 637.000. Vom Gesammelten gehen fast 90 Prozent direkt auf die Deponie - ohne Trennung, ohne Recycling, ohne Rückführung in den Wirtschaftskreislauf.

Selbst dort, wo es Fortschritt gibt, hängen wir von anderen ab. Von den auf den Markt gebrachten Glasverpackungen werden über das Pakomak-System rund 45 Prozent gesammelt und recycelt - eine Zahl, mit der wir uns für ein Land außerhalb der EU wirklich rühmen können. Aber es gibt einen Haken: Fast das gesamte gesammelte Glas geht in Fabriken in Bulgarien. Wir sammeln es, sie verarbeiten es - und der Mehrwert wandert über die Grenze.

Die europäische Mahnung klopft schon an die Tür. Brüssel leitete kürzlich ein Verfahren gegen Portugal wegen verfehlter Recyclingziele ein, mit der Aussicht auf Geldbußen. Mazedonien ist noch kein Mitglied, doch der Fall ist ein klares Signal - mit den neuen Zielen für 2030 und 2035 ist ein effizientes Abfallsystem keine Wahl mehr, sondern Bedingung für den Beitritt.

Deshalb ist das Bild ein doppeltes. Das Müllgeschäft blüht, ein Dutzend Firmen teilt sich Millionen, doch der Abfall selbst landet größtenteils vergraben. Die Frage für den Bürger, der jeden Morgen den Müll rausbringt, ist einfach: Wenn die Branche 120 Millionen umsetzt, warum leben wir immer noch umgeben von Deponien?