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Moskau holt Jugoslawien wieder aus der Schublade: 78 Tage Bombardierung als Argument gegen ein asiatisches NATO

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Moskau holt Jugoslawien wieder aus der Schublade: 78 Tage Bombardierung als Argument gegen ein asiatisches NATO

Wenn Moskau erklären will, warum ein Militärbündnis gefährlich ist, greift es nicht zur Theorie. Es greift zu 1999. Russlands stellvertretender Außenminister Andrej Rudenko erklärte, im Westen würden die Stimmen für eine asiatische Version der NATO immer lauter - und nannte als Hauptbeweis dafür, was solche Blöcke bringen, das bombardierte Jugoslawien.

Nach seinen Worten wird in den USA und in Europa der Ruf nach einer neuen Struktur im Indopazifik lauter, gebaut nach dem Muster des Nordatlantikbündnisses. Die Logik eines solchen Blocks sei stets dieselbe: Man erklärt eine gemeinsame Bedrohung, sammelt eine Militärkoalition darum, erhöht die ausländische Militärpräsenz - und bei den Nachbarn folgt ein Wettrüsten.

Dann kommt der Teil, der auf dem Balkan anders klingt als in Tokio oder Canberra. Rudenko erinnerte an die 78 Tage Bombardierung Jugoslawiens ohne Zustimmung des UN-Sicherheitsrats und ergänzte Irak und Libyen. Drei Beispiele, ein Punkt: Die internationale Ordnung gilt, solange sie dem nicht im Weg steht, der die Flugzeuge hat.

Sollte man das für bare Münze nehmen? Kaum. Hier nutzt Moskau fremden Schmerz als Argument in der eigenen Abrechnung mit dem Westen - genau in dem Moment, in dem es selbst einen Krieg in der Ukraine führt, der ihm zu Recht entgegengehalten wird. Wenn eine Macht auf den Rechtsbruch einer anderen zeigt, ist das Diplomatie, nicht Gewissen.

Doch die Tatsache bleibt eine Tatsache - 1999 geschah tatsächlich ohne Resolution des Sicherheitsrats, und niemand hat seither eine bessere Erklärung geliefert als „wir mussten”. Genau deshalb ist Jugoslawien bis heute das praktischste Argument in fremden Händen: Man muss es nicht erfinden, es genügt, es zu erwähnen.

Rudenko warnte, eine solche Blockbildung erhöhe das Risiko, dass ein Streit über Politik oder Territorium in einen bewaffneten Konflikt umschlägt, und nannte die Ukraine als jüngstes Land, das in einen Wettstreit der Großmächte hineingezogen wurde - zu hohem menschlichem Preis.

Wie man also die Frage beantwortet, wer wem Lektionen erteilt: Eines bleibt unstrittig. Auch 27 Jahre später ist unsere Region die meistzitierte Fußnote in fremden geopolitischen Debatten. Der Balkan entscheidet nichts im Indopazifik und taucht dennoch in den Erklärungen auf. Ab wann hört das auf, ein Kompliment zu sein, und wird zur Warnung?