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UNESCO entscheidet über Ohrid: die letzte gelbe Karte vor der roten, und die Hausaufgaben liegen seit Jahrzehnten unerledigt

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UNESCO entscheidet über Ohrid: die letzte gelbe Karte vor der roten, und die Hausaufgaben liegen seit Jahrzehnten unerledigt

Dieser Tage sitzt in einer fernen koreanischen Stadt eine Gruppe von Menschen um einen Tisch und entscheidet über das Schicksal von etwas, das seit Jahrhunderten unser ist. Das Welterbe-Komitee der UNESCO soll auf seiner 48. Sitzung entscheiden, ob die Region Ohrid auf der prestigeträchtigen Liste bleibt - oder auf jene verschoben wird, von der niemand hören will: die Liste des gefährdeten Welterbes.

Was bedeutet dieses „gefährdete Erbe” eigentlich? Es ist keine Streichung von der Liste, sondern eine letzte Warnung - ein Alarmmechanismus, wenn ein bedeutendes Denkmal von Zerstörung bedroht ist. Formal öffnet es die Tür für internationale finanzielle und technische Hilfe, um dauerhaften Schaden abzuwenden. Informell ist es eine internationale gelbe Karte, und zwar die letzte vor der roten.

Die Bedrohungen sind kein Rätsel - sie sind seit Jahren aufgelistet. Unkontrollierte Urbanisierung. Ökologische Probleme durch hinterherhinkende Infrastruktur. Schwache institutionelle Koordinierung. Wildbauten, Abwassersysteme, die nie fertiggestellt wurden, illegal im See selbst errichtete Plattformen. Jede Empfehlung, die die UNESCO zurückgeschickt hat, liegt da wie eine nicht gemachte Hausaufgabe.

Der politische Krieg griff die Frage sofort auf. Die Linke reagierte scharf: „Die UNESCO um weitere sechs Jahre zu bitten, ist ein Eingeständnis, dass der Staat jahrzehntelang versäumt hat, was längst hätte getan werden müssen. Was ändert sich in diesen sechs Jahren? Werden die Wildbauten abgerissen, wird das illegal errichtete Mijalkov-Hotel angegangen, wird das Ohrid-Ufer von Konzessionären befreit, die seit Jahren nicht gezahlt haben?” Fragen, denen man, zugegeben, schwer widersprechen kann.

Warum es hier nicht nur um Prestige geht. Ohrid wurde 1979-1980 als eine von nur 38 gemischten Natur- und Kulturstätten der Welt und eine von acht in Europa eingetragen - Heimat eines der ältesten Seen des Kontinents und byzantinischer architektonischer Schätze. Der Verlust des Status würde einen irreparablen Schaden für Tourismus, Ökologie und nationale Identität bedeuten.

Diese Entscheidung wird mehr zeigen als nur, auf welcher Liste Ohrid landet. Sie wird zeigen, ob ein Staat, der seit Jahrzehnten Warnungen erhält, sie überhaupt hören kann - oder ob wir auf ein ausländisches Komitee warten, das uns sagt, was wir selbst längst wissen.