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Ein Physiker baute ein „Miniaturuniversum”, in dem die Zeit von selbst zu fließen begann

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Ein Physiker baute ein „Miniaturuniversum”, in dem die Zeit von selbst zu fließen begann

Stellen Sie sich ein Labor ohne Uhr vor, in dem die Zeit trotzdem zu fließen beginnt - aus sich selbst heraus. Genau das hat ein Physiker in Birmingham geschafft, und das Ergebnis stellt eine Frage neu, die die Menschen stellen, seit es Bewusstsein gibt: Was ist Zeit eigentlich?

Giovanni Barontini von der Universität Birmingham veröffentlichte eine Arbeit, in der er beschreibt, wie er im Labor etwas erzeugte, das er selbst ein „Miniaturuniversum” nennt. Die Grundlage sind 24.000 Rubidium-Atome, fast auf den absoluten Nullpunkt heruntergekühlt - jenen Punkt, an dem sich Materie nach den Regeln der Quantenphysik verhält und nicht nach denen der Alltagswelt. Diese Atome bilden ein sogenanntes Bose-Einstein-Kondensat, einen Zustand, in dem sich Tausende Atome wie eines verhalten.

Das System war in zwei Teile geteilt. Die Frage war einfach, aber gewaltig: Muss die Zeit von außen kommen, wie eine universelle Uhr, die für alle tickt, oder kann sie von innen wachsen, aus den Veränderungen in einem geschlossenen System selbst?

Die Antwort, die er bekam, ist faszinierend. Wenn die Entropie - grob gesagt das Maß für Unordnung - von einem Teil zum anderen floss, schritt die „innere Zeit” voran. Wenn der Austausch sich verlangsamte, verlangsamte sich auch die Zeit. Und als die beiden Teile ins Gleichgewicht kamen, blieb die innere Zeit einfach - stehen. Keine äußere Uhr, keine äußere Kraft. Zeit existierte nur, solange sich etwas veränderte.

Warum ist das wichtig? Weil die Physik ein unbequemes Geheimnis birgt. Fast alle Grundgesetze der Natur funktionieren vorwärts und rückwärts in der Zeit gleich - die Gleichungen wissen nicht, was „Vergangenheit” und was „Zukunft” ist. Und doch erleben wir die Zeit nur in einer Richtung. Kaffee kühlt ab, er erwärmt sich nie von selbst. Ein zersprungenes Glas fügt sich nicht wieder zusammen. Warum?

Die Arbeit bietet eine provokante Antwort: Vielleicht „entspringt” der Zeitpfeil, dieses Gefühl, dass die Zeit nur vorwärts geht, „der Unwissenheit”. Jeder Beobachter muss, um ein System zu messen, einen Teil der Information darüber aufgeben. Und genau dieses Opfer erzeugt eine Richtung - erzeugt Vergangenheit und Zukunft.

Vorerst ist das ein Experiment unter kontrollierten Bedingungen, nicht das letzte Wort über die Natur der Zeit. Aber in dieser Idee steckt etwas zutiefst Balkanisches. Die Zeit ist kein absoluter Herr, der über uns tickt - sie fließt nur dort, wo sich etwas verändert. Wie viele Gesellschaften in diesem Teil der Welt sind genau deshalb stehen geblieben, weil sie aufhörten, sich zu verändern? Vielleicht haben die Physiker in Birmingham versehentlich ein wenig mehr als nur Atome beschrieben.